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Das Evangelium des Buddha

Das Evangelium des Buddha

Art.Nr.: 10080


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Paul Carus

Das Evangelium des Buddha

Paul Carus

Übertragen von:Paul Carus
Hrsg.: Konrad Dietzfelbinger
Mit einer Einführung vom Herausgeber
40 Abb. von Olga Kopetzky

Königsdorfer Verlag 2008
Format 20,5 x 12,5 445S.
Preis: 22,00 €
ISBN 10: 3-9807847-9-7,
ISBN 13: 978-3-9807847-9-5

Über das Buch:

Paul Carus (deutsch-amerikanischer Philosoph und Verleger, 1852-1919) stellte im „Evangelium des Buddha“ Teiltexte aus den Überlieferungen des Pali-Kanons so zusammen, dass sie eine ähnliche Szenenfolge ergaben wie die biblischen Evangelien des Christentums. Damit entsprach er dem Bedürfnis westlicher, am Buddhismus interessierter Menschen, diese Religion so dargeboten zu bekommen, wie sie es von den Evangelien im Christentum gewohnt waren.
Zugleich wollte Carus auf diese Weise demonstrieren, wie ähnlich sich im Wesentlichen der Buddhismus und das Christentum sind. Und was die Unterschiede betrifft, so kann der Buddhismus vom Christentum, und das Christentum vom Buddhismus Entscheidendes lernen.

Gemeinsam ist beiden Religionen vor allem, dass sie einen „spirituellen Erfahrungsweg“ beschreiben. Der Christ hat diese Wahrheit so gut wie vergessen, doch kann sie ihm durch die Parallelen im „Evangelium des Buddha“ und den biblischen Evangelien wieder bewusst werden.

Beide Religionen erklären dem Menschen, dass er ein vergängliches Selbst und ein unvergängliches Selbst besitzt. Das ihm noch unbewusste unvergängliche Selbst wird bewusst ins Nirvana – oder ins „Reich Gottes“ – eingehen, wenn er als wahrer Buddhist das ver-gängliche Selbst mit Nichtwissen, Hass und Gier bewusst „verlöschen“ lässt, oder wenn er als wahrer Christ „sein (ichbezogenes) Leben um des unvergänglichen Selbst willen verlieren will“ und so „das (wahre) Leben rettet“.
Das unvergängliche Selbst, der Buddha im Menschen, der Christus im Menschen, wird am Ende dieses Weges als bewusst und wirksam gewordene unermessliche göttliche Wahrheit und Liebe unsterblich „auferstehen“.

Jesus Christus: „Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn in Geist und Wahrheit anbeten“ (Joh. 4,24).

Gotama Buddha: „Zeremonien haben keinen Wert, Gebete sind eitel Geschwätz und Beschwörungen besitzen keine erlösende Kraft. Aber das Aufgeben der Habsucht und Lust, das Freiwerden von bösen Begierden und das Abwerfen alles Hasses und Übelwollens, das ist die wahre Gottesverehrung.“

Zum Herausgeber:
Konrad Dietzfelbinger, geboren 1940, Diplomsoziologe und promo-vierter Germanist, arbeitete 1980-1990 als Lektor und Verlagsleiter und ist seitdem selbstständig als Übersetzer, Herausgeber und Schriftsteller in München tätig.
Er ist unter anderem Herausgeber der Nag-Hammadi-Texte, eingelei-tet und kommentiert, in vier Bänden (Dingfelder Verlag 1988-1995) und veröffentlichte die Bücher „Kafkas Geheimnis“ (Aurum-Verlag), „Schopenhauers Vermächtnis“ (Dingfelder Verlag), „Mysterienschulen“ und „Der spiritueller Weg des Christentums“ (Diederichs Verlag).

Zitate:

Aus der Einführung des Herausgebers:
S.50f.
Dem Menschen des Westens will es nur schwer einleuchten, dass das ganze Leben Leiden sein soll. Und er wirft dem Buddhisten des Ostens vor, sein Motiv für den spirituellen Weg sei nur die Flucht vor dem Leiden und die egoistische Suche nach dem eigenen Glück. Dem würde der Buddha entgegnen, dass es für das unwahre Selbst tatsächlich viele Freuden gibt. Aber sie sind vergänglich, und gerade aus ihrem unvermeidlichen Ende erwachsen die schlimmsten Leiden. Das wahre Selbst erkennt, dass im Vergleich zu einem unvergängli-chen Leben in Liebe, Freiheit und unvergänglicher Freude das ver-gängliche Leben in der Tat insgesamt Leiden ist, weil es, auch in seinen vergänglichen Freuden, der Bestimmung des Menschen nicht entspricht. Wie könnte etwas, das prinzipiell das wahre Glück des Menschen behindert, ja verhindert, nicht leidvoll sein! Das Motiv des Buddhisten für den spirituellen Weg ist daher, die wahre Bestimmung des Menschen zu verwirklichen: Glückseligkeit als Freiheit vom Leiden. In dieser Einsicht geht der Schüler des Buddha seinen Weg und knüpft dabei unmittelbar wieder an dem Bereich an, der leidfrei ist, statt wie der westliche Mensch vergeblich zu hoffen, das prinzipiell leidvolle Leben so verbessern zu können, dass doch einmal die Lust das Leid überwiegt.
Wenn aber dem westlichen Menschen das Bestreben, eine leidfreie Welt zu suchen, als Motiv für den spirituellen Weg nicht genügt, so könnte er sich, seiner Macher-Mentalität entsprechend, sagen: Das durchgängige Leiden in der Welt ist ein Indiz dafür, dass eine Fehl-entwicklung stattgefunden hat. Reibungen und Schmerzen, Alter, Krankheit und Tod, sind Folgen einer Abweichung von den ursprüng-lichen Daseinsgesetzen, eines Fehlers, den die Menschheit in der Urvergangenheit begangen hat und weiter begeht. Als westlicher Mensch will ich jedoch, dass die Dinge richtig funktionieren. Fehler dürfen nicht sein. Also suche ich die Ursache des Fehlers und versu-che, sie zu beheben. Das könnte sein Motiv für den spirituellen Weg sein. Ich möchte eine Fehlentwicklung, deren Folgen Sinnleere und Leiden sind, rückgängig machen und eine Entwicklung einleiten, die zu meiner wahren Bestimmung führt.

Aus dem Text des Buddha Evangeliums
S.64
Selig, wer den Frieden des Nirvana gefunden hat. Er ist zur Ruhe gekommen in den Kümmernissen und Trübsalen des Lebens. Er steht über allem Wechsel, er steht über Geburt und Tod, er bleibt unberührt von den Übeln des Lebens.

S.107f.
Der Erleuchtete erkannte die vier erhabenen Wahrheiten, welche auf den Pfad hinzielen, der zum Nirvana oder zum Verlöschen der Selbstheit führt.
Die erste erhabene Wahrheit ist das Vorhandensein des Leidens.
Die zweite erhabene Wahrheit ist der Ursprung des Leidens.
Die dritte erhabene Wahrheit ist die Vernichtung des Leidens.
Die vierte erhabene Wahrheit ist der erhabene achtfache Pfad, der zur Vernichtung alles Leidens führt.
Dies ist der Dharma. Dies ist Wahrheit. Dies ist Religion. Und der Erleuchtete brach in die Worte dieses Verses aus:

„Endloser Neugeburten Wandelsein
Hab ich durchirrt, verfolgt von Schmerz und Pein.
Vergeblich hab ich oftmals ausgeschaut
Nach ihm, der dieses Leidens Haus gebaut.
Bauherr, ich spotte dein! Jetzt kenn ich dich,
Nie baust du mehr ein beinern Haus für mich!
Zerbrochen sind des Kerkers Balken all,
Der stolze Giebel stürzt in jähem Fall.
Der Wahn zerrann, es schwand mir Gier und Pein,
Der Geist ging in Nirvanas Frieden ein.“


S.116
Zwei Extreme gibt es, ihr Bhikkhus, denen ein Mensch, der die Welt aufgegeben hat, nicht folgen sollte: einerseits die Hingabe an die selbstischen Begierden, welche unwürdig und eitel ist und nur für den weltlich Gesinnten passt, andererseits die Hingabe an die Abtötung und Kasteiung, welche peinvoll, unpassend und ohne Gewinn ist.

S.118
Der Buddha sprach:
„Die Speichen des Rades sind die Regeln reinen Lebenswandels, Gerechtigkeit ist das Ebenmaß ihrer Länge, Weisheit sind die Felgen, Bescheidenheit und Nachdenken sind die Nabe, in welcher unver-rückbar die Achse der Wahrheit liegt.
Wer das Vorhandensein des Leidens erkennt, wer seine Ursache, seine Heilung und sein Aufhören begreift, hat die vier erhabenen Wahrheiten ergründet. Er wird auf dem rechten Pfad wandeln.
Dies nun, ihr Bhikkhus, ist die erhabene Wahrheit vom Leiden:
Geburt ist leidvoll, Krankheit ist leidvoll, Verfall ist leidvoll, Tod ist leidvoll. Vereintsein mit Unliebem ist leidvoll, Getrenntsein von Liebem ist leidvoll, und jedes Begehren, das ungestillt bleibt, ist ebenfalls leidvoll. Kurz gesagt, die aus dem Haften entspringenden Zustände sind leidvoll.
Dies also, ihr Bhikkhus, ist die erhabene Wahrheit vom Leiden.
Und dies, ihr Bhikkhus, ist die erhabene Wahrheit vom Ursprung des Leidens:
Wahrlich, es ist jenes Begehren, welches zur Erneuerung des Daseins führt, das von sinnlicher Lust begleitete, das bald hier, bald dort sich zu sättigen sucht: das Begehren nach Befriedigung der Leidenschaften, das Begehren nach zukünftigem Leben, das Begehren nach Glück in diesem Leben.
Dies also, ihr Bhikkhus, ist die erhabene Wahrheit vom Ursprung des Leidens.
Und dies, ihr Bhikkhus, ist die erhabene Wahrheit von der Vernichtung des Leidens:
Wahrlich, es ist eben dieses Durstes Vernichtung, in welcher keine Leidenschaft übrigbleibt, man muss diesen Durst abwerfen, sich seiner entäußern, sich von ihm frei machen, ihm länger keine Stätte ge-währen.
Dies also, ihr Bhikkhus, ist die erhabene Wahrheit von der Vernichtung des Leidens.
Und dies, ihr Bhikkhus, ist die erhabene Wahrheit von dem Weg, der zur Vernichtung des Leidens führt. Wahrlich, es ist dies der erhabene achtfache Pfad, das will sagen:
Rechte Anschauung, rechter Entschluss, rechte Rede, rechtes Han-deln, rechte Art des Lebens, rechte Anstrengung, rechtes Denken und rechte Betrachtung.
Wer auf diesem Pfad wandelt, für den ist rechte Anschauung eine Fackel, welche ihm den Weg erhellt, und rechtes Streben ist sein Führer. Rechte Rede ist ihm ein Schutzdach auf der Wanderung. Sein gerader Gang ist rechtes Handeln. Seine Erquickung ist die rechte Art, sich seinen Lebensunterhalt zu erwerben. Rechte Anstrengung sind seine Schritte, rechtes Denken sein Atem, und der Friede, der aus der Betrachtung erwächst, folgt ihm in seinen Fußstapfen nach.
Dies also, ihr Bhikkhus, ist die erhabene Wahrheit von dem Weg, der zur Vernichtung des Leidens führt.“
Und als der Erhabene das Rad der Wahrheit in Bewegung gesetzt hatte, ging ein Schauer des Entzückens durch alle Welten.

S.382
Der Thron der Wahrheit ist Wohlwollen und Liebe, Gerechtigkeit und Sittlichkeit sind seine Zierden.
Recht handeln und Gutes tun ist die Stätte, wo die Wahrheit wohnt, und hier in den Menschenherzen, welche nach der Verwirklichung der Sittlichkeit streben, ist Raum für eine reiche und immer reichere Offenbarung der Wahrheit.
Dies ist das Evangelium des Erhabenen. Dies ist die Offenbarung des Erleuchteten. Dies ist das Vermächtnis des Heiligen.
Wer die Wahrheit annimmt, sein Vertrauen in die Wahrheit setzt und der Wahrheit leben will, nimmt seine Zuflucht zu dem Buddha, dem Dharma und dem Sangha.



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