Gnostisches Christentum - Forum für ein gnostisch-rosenkreuzerisches Christentum - 6. Brief

6. Brief, München Februar 2021



"Kommt und seht selbst" (Johannes 1, 39)

Briefe zum gnostischen Christentum

Ein rätselhafter Satz der klassischen Rosenkreuzer des 17. Jahrhunderts lautet: "Wer zum Gold gelangen will, muss mit dem Gold beginnen." Um was für ein "Gold" handelt es sich da? "Gold" in diesem Sinn ist ein anderes Wort für den Geist, oder, spezieller, für das Urprana, die Substanz, aus der das ganze Universum aufgebaut ist, obwohl sich einige seiner Teile von dieser Grundlage gelöst haben und in eine Sphäre degenerierter, verdichteter Ursubstanz, Ursache der Sterblichkeit, geraten sind. Man kann die reine Ursubstanz, das göttliche Gold, auch die göttliche Liebe nennen, die das Universum durchzieht, ihm seine Lebenskraft schenkt, den darin lebenden Wesen Entwicklungsmöglichkeit gibt und sie untereinander und mit ihrem göttlichen Urquell, dem Geist, verbindet. Sie tut es auch, ohne dass die Wesen es bemerken, sogar auch, wenn die Wesen ihre eigenen Wege gehen: stets wirkt sie zumindest im Hintergrund und hält alles darauf bezogene Leben instand.

Das ist ein großer Trost, gerade in der heutigen Zeit, wo die Erde und die ganze Menschheit von Krankheiten und Ängsten gequält wird. Selbst unter diesen Umständen ist es möglich zu sagen, dass nichts und niemand endgültig vom "Gold" des Geistes, von der Liebessubstanz der göttlichen Welt, verlassen werden kann. Aber die Menschheit könnte die Heilkräfte des "Gold" dadurch unterstützen, dass sie endlich die Versäumnisse erkennt, aus denen diese Leiden hervorgehen, und alles tut, um das Verfehlte wieder gutzumachen. Der Kampf gegen die Wirkungen des Versäumten schafft nur noch mehr Leiden und Zerstörung. Besser wäre es, weniger an den Kampf gegen diese Wirkungen als an die Selbstheilungskräfte des Menschen zu denken, im Sinne des Sprichworts: "Angst ist Unglücksbringer, Mut ist Feindbezwinger."

An den soeben genannten Symptomen lässt sich der Charakter eines menschenfeindlichen Äons, der, wie jeder Äon, ein globales unsichtbares Kraftfeld aus Emotionen und Gedanken ist, studieren, von dem im 3. Brief die Rede war. Ein solcher Äon arbeitet mit Angst und Kontrolle der Angst, wodurch nur noch mehr Angst entsteht. Ein menschenfreundlicher Äon dagegen, ebenfalls ein globales feinstoffliches Kraftfeld, zum Beispiel der un-irdische Aquarius, würde vom "Gold" der göttlichen Liebe ausgehen und Freiheit, Gesundheit und Selbstverantwortung fördern. Der irdische Aquarius jedoch, eine Nachahmung des un-irdischen, wird letzten Endes nichts helfen, weil auch er zwar menschenfreundliche Absichten zu haben glaubt, aber nicht aus dem unvergänglichen "Gold" der göttlichen Liebe wirkt.
Alle scheinbar menschenfreundlichen Maßnahmen und Versprechungen des irdischen Äons würden doch nur der Aufrechterhaltung der Macht von Menschen über Menschen dienen und das Leiden der Erde und der Menschheit verlängern. Nur wenn ein Äon aus dem "Gold", der Substanz des göttlichen Tierkreises entstanden ist, verbindet er die Menschen wirklich, weil er sie auf einer auf einer unvergänglichen Grundlage vereinigt. Wenn die Grundlage vergängliche, bemühte Menschenfreundlichkeit ist, wird ein solches Kraftfeld wieder nur Enttäuschungen und Konflikte mit sich bringen.

Im 17. Jahrhundert war Goldmachen das große Ziel aller Alchimisten. Aber die Rosenkreuzer waren keine Alchimisten der üblichen Art, die nach materiellem Gold strebten. Sie verstanden unter Gold nicht das glänzende irdische Gold, das irdischen Reichtum bedeutet, sondern das soeben beschriebene Gold des Geistes, das geistiger Reichtum ist. Zu solchem geistigen Reichtum wollten sie gelangen.
In dem Satz: "Wer zum Gold gelangen will, muss mit dem Gold beginnen" drückten sie das Wesen des befreienden Pfades aus, und gaben Antwort auf die Frage, wie der Mensch zum befreienden, unvergänglichen Leben des Geistes gelangt. Es scheint unlogisch zu sein, dass ein Weg schon mit dem Ziel beginnen soll. Normalerweise spricht man zuerst von den Vorbereitungen für einen Weg, dann von seinem Ausgangspunkt und schließlich von den Schritten, die zum Ziel führen. Doch im gnostisch-hermetischen Christentum besteht eine besondere Beziehung zwischen Ziel und Ausgangspunkt. Wer nicht schon das Ziel zum Ausgangspunkt wählt, wird niemals ans Ziel kommen. Wer zum Gold des wahren Menschen gelangen will, muss vom Prinzip des wahren Menschen, das als Gold im Herzen des menschlichen Mikrokosmos schlummert, ausgehen.
Das ist eine Bedingung, die, wenn sie nicht beachtet wird, schwerwiegende Folgen hat. Nur wer von vornherein vom Unzerstörbaren, Ewigen im Menschen, dem Gold des Geistes, ausgeht, kann dieses Unzerstörbare, Ewige, wachsen lassen, bis es bewusst und frei geworden ist und wieder zu Gott zurückkehrt. Wer dagegen vom "Blei" der irdischen Persönlichkeit ausgeht und versucht, es durch Manipulationen und Verfeinerung zu Gold zu "machen", wird unbedingt scheitern. Denn alle sogenannten spirituellen Wege, die nicht am Unzerstörbaren im Menschen anknüpfen und das Zerstörbare verbessern oder sublimieren wollen, werden sich im Zerstörbaren verirren. Der Christus sagt: Wer den Weg nicht "um meinetwillen", um des inneren Christus willen geht, der das Gold ist, wird den Christus im Innern, das Gold des wahren Lebens, nicht finden.

Es ist schön und verständlich, dass heutzutage so viele Menschen ein anderes Leben als das gewöhnliche suchen, eines, das wertvoller, sinnvoller, reichhaltiger ist. Das alte, gewöhnliche Leben genügt nicht mehr, zu Recht. Sie möchten "sich selbst erfahren" oder verwirklichen, suchen einen Meister, von dem sie sich erhebende, ungewöhnliche Erfahrungen versprechen, wollen sich nur einfach besser kennen lernen oder der Hektik und den Schmerzen des Lebens entkommen.
Diese Sehnsucht geht häufig tatsächlich schon vom wach werden Geistprinzip, vom Gold im Innern aus. Aber sie wird nur zum Ziel kommen, wenn sie unverbrüchlich der Leitung durch das Gold, das Geistprinzip im Innern, folgt.

Das Bewusstsein der Ich-Persönlichkeit aber bedient sich gerne dieser Sehnsucht und ergreift das Drängen, das vom Gold ausgeht, um selbst zum Gold zu werden. Unmöglich! Das Ich sagt sich: Ich will dem Drang des Geistes folgen und besser werden, mit allem und allen verbunden sein, frei von allen Hindernissen und Bindungen werden und so der Menschheit dienen. In dieser Sehnsucht, dieser Erinnerung an das Christusgold im Innern, kann sich das "Gold" zwar auf eine gewisse Weise ausdrücken, aber nur verzerrt, korrumpiert durch das Ich. Die aus dem Unzerstörbaren entstehende Sehnsucht kann nur wachsen, wenn sie nicht vom Ich ergriffen und in andere Bahnen gelenkt wird. Sobald das passiert, ist das Wachstum des unzerstörbaren wahren Menschen unmöglich geworden, und es wächst nur das Ich des unwahren Menschen. Es ist gut, sich immer wieder daran zu erinnern: "Wer sein Leben (der Ichbezogenheit) retten will, wird es verlieren. Wer aber sein Leben verlieren will um meinetwillen (um des inneren Christus willen), wird das wahre Leben finden." (Matthäus 16, 25 und andere Bibelstellen, siehe 1. Brief)

Und das Fatale ist: Der Wahrheitssucher ist nicht nur in Gefahr, auf Grund persönlicher Irrtümer, den einen Weg vom Gold zum Gold zu verlieren, sondern seine Aufmerksamkeit und Hingabe von unzähligen kollektiven Angeboten, von der Ichbezogenheit anderer ausgehend, ablenken zu lassen. Wer sich auf solche Angebote einlässt, wird den Weg der Ichbezogenheit gehen, ohne es vielleicht lange Zeit zu bemerken. Das Ich bemächtigt sich der tiefsten Sehnsucht des Menschen und versucht ihn auf Ich-Wegen zum Ziel zu führen.

Deshalb schreibt der in diesen Dingen erfahrene Eingeweihte Paulus: "Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher Jesus Christus ist", der Wiederbeleber des wie tot darniederliegenden Geistprinzips, des Goldes, in der Menschheit. "Wenn aber jemand auf den Grund Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh baut, so wird eines jeden Werk offenbar werden ... und wie eines jeden Werk beschaffen ist, wird das Feuer erproben" (1.Korintherbrief 3, 11-13). Ein auf Gold, Silber oder Edelsteinen aufbauender Weg ist eine vom Gold des Geistes, dem Silber der neuen Seele und den Edelsteinen eines neuen Körpers ausgehende innere Arbeit.
Dem stellt Paulus typische, nicht zum Ziel führende Wege gegenüber, die damals wie heute gegangen werden. Manche versuchen, ihren irdischen Körper, das "Blei", durch Übungen zu verfeinern, in der Hoffnung, ihn in höchster Verfeinerung zum göttlichen "Gold" zu machen. Andere suchen Kontakte zum Jenseits, um zum befreienden Ziel zu gelangen. Doch das Jenseits, das Reich der Toten, kann keine göttlichen, befreienden Kräfte freisetzen. Das selbe gilt für tranceähnliche, illusionäre Zustände, welche die irdische Welt mit ihrem Diesseits und Jenseits schon als paradiesische göttliche Welt erscheinen lassen. Unzählige Wahrheitssucher werden heute von diesen Illusionen erfasst. Solche Menschen bauen mit "Heu, Holz oder Stroh", und ihre Werke werden durch das Feuer des Geistes vernichtet werden.

Wie kann sich der Sucher davor schützen, auf solche Wege zu geraten? Es ist nur dadurch möglich, dass er seinem inneren Kompass, der inneren "Stimme" des Goldes, treu bleibt, trotz aller Ängste, trotz aller Versprechungen falscher Christusse. Es ist immer möglich, sich Zeit zu lassen und zu prüfen, ob jähe Begeisterung, Abenteuerlust, Hoffnung auf endgültige Menschheitsverbrüderung oder auf herrliche Erlebnisse hinter dem eigenen oder fremden Bemühen um Selbstverwirklichung stehen.
Untersuchen wir einige Phasen des befreienden spirituellen Weges. Der auf ihm gehende Schüler beginnt mit dem Gold des Geistes und baut auf der Grundlage des Goldes und mit dem Gold.
Noch bevor ein Wahrheitssucher einen solchen Weg einschlägt, sucht das Gold, das Urprana, schon Zugang zu ihm. Der unsichtbare goldene Strom des Geistes umkreist ihn gleichsam, ob er die Stelle findet, an der er sich, durch die Ich-Persönlichkeit und ihr Umfeld hindurch, einen Weg zum Geistprinzip, zum Gold im Herzen, bahnen könnte. Findet dieser goldene Strom eine solche Stelle und erweckt den Geistfunken, so wird der Betreffende zunächst eine Art Unruhe, aber bald auch ein neues Vertrauen zum Leben empfinden. Denn der Urprana, die ewige göttliche Liebe, verlangt nichts von ihm. Sie tröstet ihn nur, sie ruft ihn, sie gibt ihm die Gewissheit, in dieser Welt der vergänglichen Erscheinungen nicht verloren zu sein.
Denn er ahnt dann: Ich gehöre zu einer anderen größeren Welt, der unendlichen göttlichen Welt, in der es keine Konflikte, Bosheiten, und Täuschungen gibt. Sie umgibt und durchdringt meine kleine, gewaltbereite irdische Welt, die Erde und das Sonnensystem, in dem ich lebe.

Nach mancherlei Erfahrungen, positiven und negativen, findet so jemand schließlich eine Geistesschule. Und hier erfährt er, dass er bewusst einen Weg gehen kann, auf dem das in der Tiefe seines Wesens wartende Geistprinzip, das "Gold" des Geistes, befreit und wirksam werden kann. Es kann lebendig werden, in dem Maß, wie er sich dem Kraftfeld dieser Geistesschule, in dem das "Gold" wirkt, öffnet. Das ist der "Glaube", von dem alle ursprünglichen Geistesschulen gesprochen haben, der spirituelle Weg öffnet sich.

Nun wird ihm als erster Schritt empfohlen: Erlerne "Neutralität". Lass einmal jede Meinung, jede liebgewordene Vorstellung, jedes Urteil, ohne es wirken zu lassen, auf sich beruhen. Was dir lieb ist, ziehe nicht mehr an, was dir unlieb ist, stoße nicht mehr ab. Wenn du das konsequent durchführst - du kannst es, weil du im Kraftfeld einer Geistesschule stehst -, wirst du erleben, dass du in jeder alltäglichen Situation größere innere Freiheit gewinnst. Das ist die Wirkung einer neuen Seelenkraft, ein wachsendes neues Bewusstsein, zunehmende Selbst-und Welterkenntnis.

Du wirst Abstand zu den Dingen und Problemen gewinnen. Sieh sie nur ruhig an, und sie werden sich dir in einem neuen Licht zeigen, höre ihnen nur ruhig zu, und sie werden dir ihr Wesen aussprechen. Du musst kein Programm abspulen, du kannst die Augenblicke abwarten, in denen sich dir die Wirklichkeit erschließt. So erkennst du dich auch selbst in deiner Beziehung zu ihr. Das ist der Zustand, den Lao-tse, der große chinesische Weise, "Nicht-Tun" genannt hat - nicht Nichts-Tun, nicht Faulheit, sondern Nicht-Tun des Ichs, Vertrauen auf das Tun der sich entwickelnden Seele.

Ein zweiter Schritt auf dem Weg, der aus stets wachsendem Begehren nach dem Heil der Seele entsteht, bringt noch größere innere Freiheit mit sich: Du wirst in der im Alltag gewonnenen Freiheit die neue Seelenkraft in dir spüren und dadurch auch entsprechend handeln können. Du wirst bemerken, wie du handeln musst, wenn du dem Zustand der inneren Ruhe treu bleiben willst. Handelst du anders, wirst du Schmerz empfinden, weil du die tröstende innere Ruhe verlierst. Du kannst dir Sokrates zum Vorbild nehmen, der sagte: Wenn ich richtig, im Sinn meines inneren Wesens, handle, bemerke ich nichts. Wenn ich aber gegen das innere Wesen handle oder spreche, erlebe ich Schmerz, den Schmerz meiner neuen Seele. Und indem ich den Schmerz aushalte, wird mir klar, was ich falsch gemacht habe. So spricht das "Gewissen" der neuen Seele des Schülers, nicht das soziale Gewissen, das ihm anerzogen worden ist und das nur auf Grund von Angst funktioniert.
Und bedenke dabei: bleib stets locker. Du brauchst dir nichts zu befehlen und dich nicht dauernd zu beobachten, ob du alles richtig machst. Was kommt, kommt, und wo deine neue Seele bereit ist, wird sie reagieren und dir eine neue Möglichkeit der inneren Freiheit zeigen. Jede forcierte Selbstbeobachtung mit dem alten Verstand und jede Bemühung mit dem alten Willen wird neue Erlebnisse gerade verhindern.

Und wieder wird einige Zeit vergehen, und die Seele vor eine dritte Aufgabe gestellt werden - die Geistesschule stellt sie davor, aber der Schüler bemerkt auch selbst, dass sich ihm diese Aufgabe aus dem eigenen Innern stellt. Er wird in ein "Bergpredigtleben" hineinwachsen. Auf der Grundlage des sich entwickelnden Seelenbewusstseins und des Seelenzustands neuer Freiheit wird er bemerken, dass er die ganzen bisherigen moralischen Konventionen und Verhaltensmuster über Bord werfen kann, die ihn wie ein Korsett gefangen halten. Er kann es zu Gunsten einer neuen Ethik der Selbstverantwortung tun. Das ist ein Teil der im 1. Brief genannten Grundbedingung des Weges: Wer sein altes Ich-Sein zu Gunsten des neuen Seelen-Seins, des Jesusprinzips, verliert, wird das neue Seelen-Sein finden. In der "Übergabe des Ichs" an die neue Seele besteht dieser dritte Schritt auf dem Weg.
Im Evangelium des Matthäus sagt Jesus zum Beispiel: "Zu den Alten (den ans Gesetz gebundenen Menschen) ist gesagt: Du sollst nicht töten. Ich aber (Jesus, Prototyp der neuen Seele in dir, dein eigenes wahres Wesen,) sage: Du sollst überhaupt nie andere beschimpfen, verurteilen und richten" (Matthäus 5, 21). Denn das wäre wie ein Mord an der Seele, deiner eigenen und der des anderen. Du wirst und kannst in deinem jetzigen Seelenzustand dein bisher fremdbestimmtes, gesetzestreues oder konventionelles Verhalten durch ein selbstbestimmtes, aus deiner Seelenfreiheit hervorgehendes Verhalten ersetzen.

So erweitert sich der Spielraum deiner neuen Seele, deine Lebensfreude, deine Freiheit gegenüber andern, und deine Angst vor anderen wird abnehmen in dem Maß, in dem du aus dem neuen, goldenen Seelengrund lebst. Du wirst jetzt überhaupt erst deutlich erkennen, wie dein Nächster beschaffen ist, unter welchen Bedrängnissen und Illusionen er leidet. Ein neues un-irdisches Mitgefühl mit ihm wird sich einstellen.
Und wieder wirst du erleben: Dein neues Verhalten ist nicht Ergebnis einer moralischen, willentlichen Bemühung. Es fließt aus einem neuen Sein der Seele. Je mehr du dich bemühen würdest, desto mehr würdest du dieses Fließen behindern. Das ist ein großes Erlebnis: Dein Handeln entsteht aus dem eigenen inneren Wesen, aus dem "Gold", es stimmt mit diesem Wesen überein. Es stimmt auch mit dem Kraftfeld deiner Geistesschule überein und mit den Gesetzen der göttlichen Welt des Geistes, die deine freie innere Lebensordnung beschreiben und schützen.

In diesem Zustand wird der Schüler nicht mehr fragen: Wie kann ich wissen, ob ich auf dem befreienden Weg bin, an welcher Stelle dieses Weges ich mich befinde, ob diese Geistesschule für mich die richtige ist, ob das, was ich erlebe, keine Illusion ist? Wenn er so mit dem sicherheitssüchtigen Verstand fragt, stellt er sich selbst ein Bein und unterbricht den befreienden Kraftstrom. Warum vertraut er der eigenen Erfahrung nicht, die ihm doch schon so viel neues Leben geschenkt hat? Warum muss er noch andere fragen, ob er auch alles richtig macht? Der Kompass liegt in ihm selbst - sein eigenes Bewusstsein zeigt ihm an, ob und inwieweit er nach den Gesetzen der neuen Seele handelt. Der Ich-Verstand will immer moralische Verhaltensregeln, wird sie aber nicht bekommen, weil er für die Seelen-Entwicklung nicht zuständig ist, die außerhalb des Ichs liegt.

Trotzdem kann und muss der Schüler auch stets vorsichtig sein. Er hat erst drei Etappen des Weges zurückgelegt - "Selbsterkenntnis", "Sehnsucht nach dem Heil" und "Übergabe des Ichs" an die neue Seele. Doch werden sich auf dem weiteren Weg weitere Versuchungen einstellen. Denn das noch nicht überwundene Ich bedient sich der neuen Freiheit, um erst recht Macht, Besitz und Ehre zu gewinnen. Jesus, dessen Leben ein Muster für den befreienden Weg der Seele ist, hatte, wie der Schüler auf den ersten Phasen des Weges, die Reinigung der Seele von Illusionen und selbstgerechten Moralvorstellungen erlebt - die Wassertaufe durch Johannes den Täufer am Jordan ist ein Bild für diese Reinigung. Doch als Jesus, kurz darauf, die Feuertaufe durch den heiligen Geist, durch das feurige Gold des Geistes, erlebt hatte, "wurde er vom Geist in die Wüste" des Lebens geführt, um dort mit den großen karmischen Mächten des Ichs konfrontiert zu werden. Diese Vorgänge, die auf jedem ernsthaften Schülerweg durchgestanden werden müssen, sollen im nächsten Brief, dem "Osterbrief", besprochen werden.

An dieser Stelle sei über die Zuschriften mit Fragen und Anregungen gedankt, auf die zum Teil in diesem Brief reagiert wurde.


Kommentare bitten wir brieflich oder per E-mail an die Adresse Königsdorfer Verlag, Zellwies 11, 82549 Königsdorf, bzw. E-mail-Adresse: www.koenigsdorfer-verlag@web.de zu richten, zu Händen von Konrad Dietzfelbinger.