27.02.21

Momos Wiederkehr - Momo aktuell - 1 Teil

Momo aktuell - 1. Teil


Momos Wiederkehr, 03 2021



Ein kritischer Beitrag zur Weltsituation


In der Menschheitsgeschichte wiederholen sich typische Situationen, mit anderem Personal, anderen Umständen und anderen Verläufen, aber im wesentlichen mit den selben Strukturen und Inhalten.
Mit seinem Buch "Momo" (1988) stellte Michael Ende eine solch typische Situation dar, nur im Gewand eines "Märchens". Wir sind der Meinung, dass sie sich in unserer Gegenwart erneut abspielt, realistischer abspielt, als sie in dem Roman erscheint, und dass sich Erkenntnisse daraus gewinnen lassen, die für die Bewältigung unserer Zeit fruchtbar sind.


Momo

Momo, ein Mädchen mit krausen schwarzen Haaren und der Männerjacke, in die sie noch nicht hineinpasst, ist Sinnbild für einen lebendigen Menschen ohne Vorurteile, aber mit Mut und Zuversicht. Sie lebt allein, ohne Verwandtschaft oder "soziale Fürsorge" - gerade so etwas will sie nicht -, in einem verfallenen Amphitheater, den Resten der antiken Welt. Trotz oder gerade wegen ihrer Einsamkeit ist sie besonders kontaktfähig, hat zahlreiche Freunde unter den Kindern der Gegend und spielt phantastische Spiele mit ihnen.
Momo hat Vertrauen ins Leben, in ein tiefes, kraftvolles, "absichtsloses" Leben, eine Lebenskraft, die ohne ihr Zutun in ihr wirkt. Sie ruht in sich selbst. Denn die Wurzel ihres Vertrauens ist ein "unzerstörbarer" Zustand des Herzens, die eigentliche Identität des Menschen - nicht etwa ein überaus starker Wille des von sich selbst überzeugten Ichs.
Deshalb hat sie zwei hervorstechende Eigenschaften. Sie braucht erstens keine soziale Anerkennung und ist unabhängig vom Urteil anderer. Und zweitens, noch wichtiger: Sie kann zuhören. In dieser Fähigkeit kommt ihre Selbstständigkeit am deutlichsten zum Ausdruck. Denn sie braucht niemandem ihre eigene Meinung aufzudrängen, sie braucht keine Angst zu haben, selbst nicht verstanden, nicht akzeptiert oder gar ausgebeutet zu werden. Und diese Ruhe teilt sich jedem Erzählenden mit, das von ihm Erzählte wird ihm erstmals erträglich und einsichtig. Er gelangt seinerseits in den Zustand des Vertrauens ins Leben, zwar noch nicht aus eigener Kraft, aber induziert durch die Kraft der Zuhörerin Momo.

Diese Möglichkeit des Seins ist in jedem Menschen vorhanden, doch meist unwirksam gemacht von Ängsten und Folgen der Ängste, die das Leben verwirren. Viele glauben unbewusst im Innersten: Ich kann nichts, ich bin nichts wert, ich schäme mich, ich bin schuldig, genüge den Ansprüchen nicht, weder den fremden noch den eigenen, die meist auch schon von außen übernommen sind.
Auch in unserer Gesellschaft gibt es Menschen von der Art Momos. Sie sind noch nicht mit den Vorurteilen der "Erwachsenen" behaftet. Sie kommen gut mit anderen aus und beziehen ihre Zuversicht und Lebensfreude aus besonderen inneren Quellen. Nennen wir sie in ihrer Gesamtheit "Momo".

Die "grauen Herren"

In der großen Stadt rings um das Amphitheater existieren die "grauen Herren" als die Gegenspieler Momos. Sie haben besondere Lebensweisen und Absichten, die sich von denen Momos vollkommen unterscheiden. Gegensätzlicher geht es nicht. Sie besitzen weder Lebensfreude noch in sich ruhende Lebenskraft, ja, leben überhaupt nur von der Lebenskraft anderer und sind, für sich allein genommen, ein "Nichts". Sie existieren nur dadurch, dass sie von der Lebenskraft der Stadtbewohner zehren und sie ihnen "stehlen".
"Lebenskraft, Lebensfreude" ist in diesem Buch gleichbedeutend mit erfüllter Lebenszeit, lebendiger Zeit im Unterschied zu chronologischer, messbarer Zeit. Die Existenz der "grauen Herren" hängt davon ab, dass sie wenigstens messbare Zeit erhalten. Erfüllte Zeit besitzen sie nicht, insofern leben sie gar nicht, sie existieren nur dadurch, dass sie anderen deren Zeit "stehlen". Sie stehlen deren Vertrauen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Denn die "grauen Herren" haben Angst vor dem Tod, weshalb sie auf irgend eine Art "Vertrauen ins Leben" zu stehlen versuchen. Das können sie nur dadurch, dass sie sich chronologisch messbare Zeit aneignen. Deshalb veranlassen sie die Menschen, "Zeit zu sparen". Sie vereinnahmen diese Zeit für sich und existieren dadurch als Halbwesen.

Wer Zeit "spart", statt sie zu leben, verändert sie dadurch und macht sie zu sinn-loser Zeit.
"Zeit sparen", bedeutet daher in diesem Buch, Lebensfreude und Lebenssinn zu vernichten, das Wesen des Lebens und der Zeit ins Gegenteil zu verkehren, mit anderen Worten "Zeit zu Geld" zu machen. Denn eine solche sinn-entleerte Zeit ist eben Geld, was eine entsprechend sinnleere Existenz ermöglicht. Und da "Geld" viele Möglichkeiten bietet, Menschen und Dinge zu beherrschen, ist Zeit auch "Macht", vor allem die Möglichkeit für die "grauen Herren", überhaupt zu existieren. Sobald sinn-erfüllte, gelebte Zeit dem Prinzip des "Sparens" unterworfen wird, verliert sie ihren Charakter als etwas Lebendiges. (Dieses "Sparen" ist etwas anderes als Reserven für Notzeiten zurückzulegen. Es ist eine Verwandlung der Zeit in etwas Starres, Unlebendiges.)


Zeit sparen

"Zeit sparen" ist ein Verhalten gegen den dem Leben eigenen Rhythmus und zerstört diesen. Das rächt sich, weil auf diese Weise immer weniger Zeit für lebendiges Sein übrigbleibt, das dann durch Hast und Tempo ersetzt wird und schnell verfällt. "Zeit sparen" heißt somit auch: eine Arbeit oder Handlung schneller zu leisten als dem natürlichen Rhythmus entspricht. Dann scheint Zeit übrig zu bleiben. Aber sie ist bereits korrumpiert, ihres lebendigen Rhythmus beraubt: mechanische Zeit.

Die so "gesparte Zeit" kann man, als Geld oder Macht, anhäufen und mit ihr andere manipulieren. Da die Existenz der "grauen Herren" von dieser Art Zeit abhängt, können sie überhaupt nur so existieren. Reichtum und Macht sind ihr Element. Deshalb ist ihre Existenz untergründig von Angst bestimmt, weil diese Art Zeit, als Geld und Macht, ständig gefährdet ist und verloren werden kann. Ein totaler Verlust würde ihrer Existenz ein Ende machen. Darum haben sie Angst vor dem Tod und suchen sie durch Anhäufung von Besitz und Macht zu beschwichtigen. Es ist für sie existenziell wichtig, dass sie andere zum "Zeit-Sparen" bewegen und ständig deren nicht gelebte Zeit sammeln, um die Gefahr ihres eigenen Existenzverlusts zu bannen. Die "Zeit-Spar-Kasse" ist das Bild für ihre Sammelwut.

Sie haben kein individuelles Leben, sind von einander nicht zu unterscheiden, weil sie die Lebenszeit anderer mittels des Sparprinzips zur bloßen Gebrauchs- und Verbrauchsware gemacht haben.
Andererseits hassen sie die lebendigen Menschen, die, ihnen ganz unverständlich, fröhlich leben und einen Sinn in ihrem Leben empfinden. Das darf nicht sein, das ist ihnen ein ständiger Dorn im Auge, eine Quelle des Neides. Deshalb müssen sie die Momo-Menschen zur Zeitabgabe verführen, um sie sich gleich zu machen. Wer sich verführen lässt, wird dadurch in seiner Lebenskraft geschwächt, was umgekehrt die Existenz der "grauen Herren" stärkt. Alle Momo-Menschen sollen so werden wie sie selbst. Denn sie führen ihnen das unerträgliche Bild eines angstfreien, vertrauensvollen Lebens vor Augen, das in deutlichem Gegensatz zu ihrer eigenen, leeren Existenz steht. Das können sie nicht ertragen, deshalb möchten sie die Momo-Menschen vernichten, und wenn das nicht möglich ist, sie zu ihresgleichen machen.

Wer sind sie eigentlich? Niemand weiß, woher sie so plötzlich kommen. Offenbar sind es "Ausgeburten" der lebendigen Menschen, in denen sich der Trieb, Zeit zu "sparen" und Geld und Macht zu gewinnen, abgespalten und verselbstständigt hat. Insofern ist jeder lebendige Mensch Erzeuger eines "grauen Herrn", wenn er seine Zeit dem Geld- und Machterwerb übergibt.

Die modernen "grauen Herren"

Gibt es diese "grauen Herren" also auch heutzutage? Haben sie einen Namen? Es sind die Milliardäre, die - "Zeit ist Geld" - anderen die lebendige Zeit gestohlen und zu lebloser Zeit gemacht haben. Sie haben den arbeitenden Menschen die Früchte ihrer Arbeit geraubt und fristen damit ihre luxuriöse Existenz. Es sind die Mächtigen, die - "Zeit ist Macht" - den Gemeinsinn anderer Menschen missbraucht und zur Unterwerfung anderer benützt haben. Sie sind zwar nicht nur bloße Schatten, wie die grauen Herren bei "Momo". Sie leben tatsächlich als physische Persönlichkeiten, die jedoch ihre wesentliche Substanz verloren haben. Eine lebendige Seele haben sie nicht mehr, nur noch den davon abgespaltenen Machttrieb, der sich verselbstständigt hat. So existieren auch sie als "Halbwesen" unter den lebendigen Menschen und rauben diesen ihre Lebensfreude und ihr Vertrauen ins Leben, um diese Energien in Geld und Macht zu verwandeln.

Sie versammeln sich - gleich zu gleich gesellt sich gern - in nur den Reichen und Mächtigen zugänglichen Clubs und Vereinen und vereinbaren dort insgeheim ihre Strategien des Diebstahls und der Machtvermehrung.
Im Buch "Momo" sind sie anonym. Heutzutage kennt man zwar ihre persönlichen Namen, aber sie führen kein eigenständiges sinn-erfülltes Leben, durch das sie sich von ihresgleichen unterscheiden würden.
Was sie weiter von anderen Menschen unterscheidet, ist ihre im Vergleich zu 1988 entwickeltere Ideologie. Wenn Zeit seelenloses Geld und seelenlose Macht ist und lebendiges, sinn-erfülltes Leben in mechanische Existenz umgewandelt werden kann, dann, so denken sie, kann auch der ganze lebendige Mensch in eine Maschine umgewandelt werden. Man kann aus ihm ein aus elektromagnetischen Bahnen und Mikroprozessoren bestehendes, kompliziertes Gebilde machen, das sogar unsterblich sein wird.


Transhumanisten

Doch, da haben wir es, das ist ihr wirklicher Name: Sie nennen sich "Transhumanisten". Sie wollen verbesserte, lebensfähigere, fortgeschrittenere Wesen als die heutigen Menschen sein und wollen ihresgleichen erzeugen, Wesen, die ein weit über den schwachen, sterblichen, schmerzempfindlichen, von Liebe und Anerkennung abhängigen Menschen hinaus("trans")gehendes Leben führen, um sich endlich zu den starken, unsterblichen, mächtigen Herrn der Welt aufschwingen zu können.
In jedem Menschen stecken solche Gedanken der Unsterblichkeit durch Reichtum und Macht. Doch die meisten kennen wenigstens noch ihre Grenzen und spüren wenigstens, dass nur ein sinn-erfülltes Leben lebenswert ist. Und von da aus ahnen sie, dass ihr Leben lebensunwert würde, wenn es dieser Ideologie folgte. Es bedarf einer in den ursprünglichen Tiefen der Seele wirkenden Grundlage, um der Verführung zu solchen sogenannten Zukunftsaussichten zu widerstehen. Wer will denn zu einem monströsen Übermenschen werden, ohne Empfindung für den tiefen Sinn seines Lebens und für das Leben anderer?

Diese "Transhumanisten", die im Buch "Momo" noch "graue Herren" heißen,, stehlen auch heute anderen die Zeit, um selbst Geld und Macht zu gewinnen. Sie wollen aber die ganze Macht haben, um den Reichtum in ihrem Sinne so zu verteilen, dass sie noch reicher werden. Sie wollen eine Menschheit, die von ihnen, den Zeitdieben, abhängig ist und so manipuliert werden kann, dass sie ihnen selbst und ihren Plänen nicht mehr gefährlich werden kann. Ja, sie wollen in ihrer Art "Menschenliebe" dem noch unentwickelten Menschen, der Angst vor Leben und Tod hat, diese Angst nehmen. Sie wollen ihm ein risikoloses Leben, frei von Krankheit und von Konflikten, vielleicht sogar vom Tod, ermöglichen. Das möchten sie verwirklichen, indem sie ihm ein Leben frei auch von Freiheit verordnen, so dass er das innere Potenzial, das ihn zu einem selbstverantwortlichen, höheren seelisch-geistigen Leben zugewandten Menschen machen würde, nicht verwirklichen kann. Frei von Freiheit!

Verführungsversuche

Eines Tages versammeln sie sich im Buch "Momo", um Methoden zu besprechen, wie sie ihre Ziele noch besser erreichen könnten. Sie wissen, man kann auch in den besten Freunden Momos die Tendenz stimulieren, Erfolg, Macht und Geld zu haben. Denn diese Tendenz steckt in jedem Menschen. Sie lässt sich teils durch Verführung anstacheln: durch Versprechen von Macht, Erfolg, Reichtum und Erleichterung des Lebens, teils durch Druck und Erzeugung von Angst. Wer schon etwas hat, hat auch Angst, es zu verlieren.
Wie verhält sich Momo bei dieser Verführung? Diese Geschichte soll auszugsweise wiedergegeben werden (dtv-Ausgabe Seite 86-92):

Eines Tages fand Momo auf den Steinstufen der Ruine eine Puppe... Sie sah nicht aus wie ein Kind oder ein Baby, sondern wie eine ... Schaufensterfigur ... und stellte sich vor:
"Guten Tag, ich bin Bibigirl, die vollkommene Puppe." ...
"Guten Tag, ich heiße Momo", sagte Momo.

Wieder bewegte die Puppe ihre Lippen und sagte: "Ich gehöre dir. Alle beneiden dich um mich."...

"Wir spielen jetzt, dass du zu mir zu Besuch kommst", schlug Momo vor.

"Guten Tag", quäkte die Puppe, "ich bin Bibigirl, die vollkommene Puppe."
"Also hör mal", meinte Momo, "so können wir doch nicht spielen, wenn du immer das gleiche sagst ...Aber du wolltest dir doch was (aus meinen Sachen) aussuchen, Bibigirl."...
"Ich möchte noch mehr Sachen haben", antwortete die Puppe, und klimperte mit den Wimpern.
... Nach einer Weile überkam Momo ein Gefühl, das sie noch nie vorher empfunden hatte ... bis sie begriff, dass es die Langeweile war. ...

Schließlich kam ein grauer Herr und sagte: "Da haben wir einen passenden Gefährten für Bibigirl"... und zog ... eine andere Puppe hervor, setzte sie neben Bibigirl und sagte: "Das ist Bubiboy... Du siehst also, es braucht nie wieder Langeweile zu geben."
Sie schüttelte den Kopf.
"Was denn, was denn", sagte der graue Herr. "Möchtest du mir wohl sagen, was dieser vollkommenen Puppe denn nun noch fehlt?"
Momo blickte zu Boden und dachte nach.

"Ich glaub", sagte sie leise, "man kann sie nicht liebhaben."

Der graue Herr erwiderte eine ganze Weile nichts ... Schließlich raffte er sich zusammen.
"Darauf kommt es überhaupt nicht an", sagte er eisig.(Zitatende)

Ein sehr guter Freund Momos ist "Beppo Straßenkehrer", der ruhig und geduldig Schritt um Schritt die Straßen kehrt, ohne jemals mutlos an das ferne Ende zu denken. Es ist dennoch plötzlich erreicht.
Das ist ein Vorbild für rhythmisch angewendete Lebenszeit.

Die "grauen Herren" kommen zu ihm mit der Lüge, sie hielten Momo gefangen. Nur er könne sie befreien, indem er 100 000 Stunden Zeit für sie spare. Dieser Erpressung ist Beppo nicht gewachsen. Er gehört zu den weniger intelligenten und ängstlichen Menschen und durchschaut die Perfidie dieses Ansinnens nicht. Sofort beginnt er wie rasend zu kehren, um diese 100 000 Stunden einzubringen. Damit ist er als Freund Momos, der den grauen Herren nicht zu Willen ist, ausgeschaltet.

Ein weiterer Freund Momos ist "Gigi Fremdenführer", dessen Stärke das Geschichten-Erzählen ist. Nie gehen ihm die Stoffe aus, seine lebendige Phantasie führt sie ihm reichlich zu. Ihn verführen die grauen Herren mit dem Vorschlag, doch in der Öffentlichkeit aufzutreten und Erfolg zu haben. Und Girolamo geht darauf ein. Er wird zum erfolgreichen Entertainer, damit aber zugleich abhängig von Geld und Ruhm, und schon versiegen seine spontanen Einfälle. Er bringt nur noch blasse Varianten seiner früheren Geschichten hervor. Sie begeistern das Publikum zwar noch mehr als die echten Phantasien. Doch sind sie nicht mehr lebendig. Gigi ist zum Spender mechanischer Zeit geworden und von Momo getrennt.

Ähnlich versagt Nino der Wirt, der eine gemütliche Kneipe betreibt. Die grauen Herren setzen ihm den Floh ins Ohr, mehr zu verdienen, sein Geschäft in ein Schnellrestaurant umzuwandeln und reich zu werden. Auch er ist für Momo als Freund verloren.
Und so werden noch viele gute Freunde Momo abspenstig gemacht, vor allem die Kinder. Sie haben noch nicht die Kraft, den grauen Herren zu widerstehen, und werden einfach abgerichtet, ohne eigene Phantasie mit mechanischem Spielzeug zu spielen oder gar sich dem langweiligen "Lochkartenspiel" zu widmen. Jeder "Spiel-Raum" wird ihnen genommen. "Befohlene" Spiele sind keine Spiele, wie Momo erkennt. Später werden die Kinder mit dem Argument, sie verlotterten auf den Straßen, in Fürsorge-Heime gesperrt. Dort haben sie es doch gut, unter Aufsicht und guter Pflege!

Allmählich ist Momo sehr verunsichert, aber keineswegs besiegt. Sie gelangt zu dem Quell der lebendigen Zeit in ihr selbst. Dieser Quell heißt Meister Hora. Dort ist sie vorläufig sicher vor den "grauen Herren", die sie verfolgen. Und dort, bei Meister Hora in ihrem Innern, erlebt sie die kosmische lebendige Zeit in all ihren wunderbaren Eigenschaften: als überwältigendes Licht, Klang und Farbe. Das gibt ihr Mut.


Neue Tricks der "grauen Herren"

Aber als sie wieder ins Amphitheater zurückkehrt, sind all ihre Freunde verschwunden. In der Zwischenzeit hatten die "grauen Herren" beschlossen, Momos ehemalige Freunde auf sie anzusetzen, da sie weiter eine große Gefahr für die "grauen Herren" darstellt. Ihr Beschluss lautet: "Wir werden einfach alle diese Personen so von ihr abziehen, dass sie sie nicht mehr erreichen kann. Dann wird die arme kleine Momo völlig allein sein. Was wird ihr ihre viele Zeit dann noch bedeuten? Eine Last, ja, sogar ein Fluch! Früher oder später wird sie es nicht mehr ertragen. Und dann, meine Herren, werden wir zur Stelle sein und unsere Bedingungen stellen. Ich wette tausend Jahre gegen eine Zehntelsekunde, dass sie uns den bewussten Weg (zu Meister Hora) führen wird, nur um ihre Freunde zurückzubekommen."

Die "grauen Herren", die eben so niedergeschlagen dreingeblickt hatten, hoben ihre Köpfe. Unter der Last ihrer Einsamkeit würde sie ihre Verfolger unbedingt zu Meister Hora führen, den sie, "die grauen Herren", dann erpressen werden.
Jetzt versuchen sie also, Momos ehemalige, inzwischen den "grauen Herren" gefügigen Freunde einzuspannen. Sie sollen Momo überreden, das gemeinsame Leben mit ihnen wieder aufzunehmen, aber unter neuem Vorzeichen.

Wieder sei eine typische Szene auszugsweise zitiert (S.195-200) :

Momo findet Gigi, den inzwischen weltberühmten Entertainer. Er hat "drei Damen mit strengen, aber stark geschminkten Gesichtern" bei sich: seine Agentinnen. Im Auto auf dem Weg zum Flughafen, den Gigi unbedingt erreichen muss, versucht eine von ihnen, Momo zu einem Auftritt im Fernsehen zu bewegen: "Entschuldigung, aber mir kommt gerade eine fabelhafte Idee. Wir sollten Momo unbedingt der Public-Film-Gesellschaft vorführen. Sie wäre doch haargenau der neue Kinderstar für Ihre Vagabunden-Story, die als nächstes gedreht wird. Stellen Sie sich die Sensation vor! Momo spielt Momo!"
Gigi: "Ich möchte auf keinen Fall, dass Sie das Kind da hineinziehen!"
"Ich weiß wirklich nicht, was Sie wollen", entgegnete die Dame gekränkt. "Jeder andre würde sich die Finger ablecken nach einer solchen Gelegenheit!" ...

Gigi holte ein silbernes Döschen aus seiner Westentasche, nahm eine Pille heraus und schluckte sie...
"Nur eine Frage noch, ehe es zu spät ist", mischte sich die zweite Dame dazwischen... "Könnten Sie mich nicht wenigstens rasch ein Interview mit dem Kind machen lassen?"
"Schluss!" brüllte Gigi, aufs Äußerste gereizt.
"Sie selbst werfen mir doch dauernd vor", erwiderte die Dame, nun ebenfalls wütend, "dass ich nicht genügend wirkungsvoll Reklame für Sie mache!"
Gigi: "Aber nicht jetzt! Nicht jetzt!"
"Sehr schade", meinte die Dame. "So was würde bei den Leuten auf die Tränendrüsen drücken..."
"Nein!", fuhr ihr Gigi in die Rede.

Die Damen schwiegen. Gigi sagt leise zu Momo: "Da siehst dus nun - so weit ist es mit mir gekommen ... das Einzige, was ich jetzt noch tun könnte, das wäre - den Mund halten ... bis man mich vergessen hat... Aber arm sein, ohne Träume - nein, Momo, das ist die Hölle. Darum bleibe ich schon lieber, wo ich jetzt bin. Das ist zwar auch eine Hölle, aber wenigstens eine bequeme..." Momo sah ihn nur an. Sie verstand vor allem, dass er krank war, todkrank. Sie ahnte, dass die grauen Herren dabei ihre Finger im Spiel hatten...
Momo wollte Gigi so gerne helfen ... Aber sie fühlte, dass es so nicht richtig war ... Sie schüttelte den Kopf.
Und Gigi verstand sie. Er nickte traurig, dann wurde er von den Damen, die er selbst bezahlte, weggezogen.(Zitatende)


Momos Selbstfindung

(Zitat)Momo wollte nicht mehr fliehen. Sie war davongelaufen in der Hoffnung, sich zu retten. Die ganze Zeit hatte sie nur an sich, an ihre eigene Verlassenheit, an ihre eigene Angst gedacht! Und dabei waren es doch in Wirklichkeit ihre Freunde, die in Not waren.
...Als sie so weit gedacht hatte, fühlte sie plötzlich eine seltsame Veränderung in sich. Das Gefühl der Angst und Hilflosigkeit war so groß geworden, dass es plötzlich umschlug und sich ins Gegenteil verwandelte. Es war durchgestanden.(Zitatende) (S.212)


Die "grauen Milliardäre"

Die modernen "grauen Herren", die Milliardäre oder Transhumanisten unserer Zeit, haben eine neue Möglichkeit entdeckt, Macht und Einfluss zu gewinnen: die "Corona-Krise". Sie kommt nicht ganz zufällig. Die "grauen Milliardäre" haben sie im Jahre 2019 schon einmal durchgespielt. Drei ihrer Organisationen: die WHO - Weltgesundheitsorganisation, das Weltwirtschaftsforum und die Johns-Hopkins-Universität, alle drei weitgehend von den "grauen Milliardären" finanziert und beeinflusst, hatten damals ein Manöver veranstaltet, um ihre Zusammenarbeit auch für die Zukunft zu erproben. Und ein Jahr später bauen sie, auf der Grundlage dieses Manövers, ihre Macht aus! Spricht das für ihre Liebe und Sorge für das Wohl der Menschen?

Erstens: Sie zentralisieren die Macht bei sich selbst. Wer gibt ihnen die Legitimation? Sie selbst. Wer gibt ihnen die Mittel? Sie selbst haben genügend Geld und Macht angereichert. Sie behaupten einfach, die Fähigkeiten zur Meisterung der Krise zu haben und setzen sich über die Köpfe der legitim gewählten Regierungen sämtlicher (193) Staaten der Welt hinweg.
Allen Staaten wird das selbe Programm zur Meisterung der Krise aufgedrückt. Und fast alle Staaten gehorchen. Nachträglich liefern manche Parlamente, zum Beispiel das deutsche, die Legitimation für diese "grauen Milliardäre" nach und entmachten sich dadurch selbst. Nachträglich werden im Geschwindschritt mehrere wichtige bestehende demokratische Freiheitsrechte gestrichen und neue "Infektionsschutz-Gesetze" erlassen, die unkontrollierte Eingriffe ins Leben der Bevölkerung ermöglichen. Eine zeitliche Befristung ist nicht vorgesehen, ebenso wenig eine Kontrolle durch gewählte Instanzen.
Das ist die Zentralisierung der Macht bei den "grauen Milliardären".

Zweitens: Wir, die "grauen Milliardäre", sorgen dafür, dass unsere Macht und unser Geld in allen Bevölkerungsschichten wirken, von den unteren Vollzugsorganen wie Gesundheitsämtern und Polizei bis hin zu den einzelnen Individuen. Das gibt uns die Gelegenheit, Gehorsam der Gesellschaft und der Einzelnen zu erzwingen. Um die Ansteckungsgefahr weiter zu verringern, verordnen wir die Schließung kleinerer Betriebe und Ausgangssperren. Grenzen werden geschlossen, Tests vorgenommen, Quarantäne vorgeschrieben. Wer nicht gehorcht, wird unverhältnismäßig stark zur Kasse gebeten, und vieles mehr. Alles zum Wohl der Menschen?

Diese Art, das Virus zu bekämpfen, entspricht ganz der Methode, wie sich die "grauen Herren" bei "Momo" Gehorsam verschafft hatten: Erpressung und Verführung durch Angst. Nicht die Lebenskraft der Einzelnen wird gefördert, nicht ihre eigene Immunität gegenüber dem Virus wird gestärkt - im Gegenteil, sie wird verhindert, und zwar durch den Maskenzwang, der keine offene Auseinandersetzung mit dem Virus erlaubt. Überall herrscht der Wahn, durch Kontrolle das Virus abschaffen zu können - noch nie ist doch ein Virus aus der Welt geschafft worden!-, statt das Vertrauen der Einzelnen in die Selbstheilungskräfte zu stärken.

Drittens: Dabei bleiben die "wissenschaftlichen" Begründungen für die Maßnahmen undurchsichtig und fragwürdig.

Viertens: Die Medien lassen sich gleichschalten und für dauernde Kampagnen und Propaganda in den Straßen, Zügen und Bahnhöfen einspannen. Wo bleibt hier die Pressefreiheit? Die Selbstständigkeit der Presse? Was für Zustände! Solidarität wird mit Schmeichelworten empfohlen und durch Strafen erzwungen - ein Widerspruch in sich selbst. Erzwungene Solidarität ist keine Solidarität.

Fünftens: Die Maskenpflicht für sämtliche Bürger, ob gesund oder nicht, wird allmählich zu einem Symbol für Unterwerfung. Im Verweigerungsfall werden hohe Strafen verhängt. Wer sich nicht unterwirft, gilt bei anderen als Menschenfeind, der die Ansteckung fördert. So entstehen Spaltungen und Konflikte in der Bevölkerung, was gewiss der Immunität nicht förderlich ist
Die Behörden "rechnen" mit der Angst der Bevölkerung und können nach Belieben Auflagen verlängern.

Dabei geben die "grauen Milliardäre" offen zu, dass sie an den Verhältnissen, an der Angst der Einzelnen und der Knebelung der Wirtschaft verdienen: einer rühmt sich zum Beispiel, dass er statt 60 Milliarden am Anfang der Krise jetzt 120 Milliarden besitze, weil die Kunden der kleinen, geschlossenen Betriebe inzwischen bei den globalen digitalen Konzernen der Milliardäre kaufen müssen. Das entspricht ganz dem Verhalten der "grauen Herren" bei "Momo", die immer mehr "Zeit ansparen", das heißt Lebenskraft und Lebensfreude der Menschen in Geld und Macht umwandeln.


Ist es nicht so:

Der Kampf gegen das lebensfeindliche Virus wird mit Maßnahmen geführt, die weit lebensfeindlicher sind als das Virus selbst. Bemerkt das jemand?

Der Kampf gegen das lebensfeindliche Virus wird zur Rechtfertigung von Maßnahmen benützt, die weit lebensfeindlicher sind als das Virus selbst. Bemerkt das jemand?

Die Maßnahmen führen zur Errichtung einer Weltdiktatur mittels Digitalisierung und Erpressung, was viel lebensfeindlicher ist als das Virus selbst. Bemerkt das jemand?

Ein deutliches Symbol für diesen Zusammenhang sind die Apparate, die Luft in die Lungen von Kranken pressen. Diese Maßnahme ist weit schädlicher, ja u.U. tödlicher als das Virus selbst.

Bedenkt jemand, dass wir selbst, die Bevölkerung genau so wie die "grauen Milliardäre", dem Virus seit Jahrzehnten durch unsere Versäumnisse den Weg bereitet haben? Sind die Abholzung der Regenwälder der Umwelt und dadurch der Immunität der Menschen günstig? Sind das Artensterben, die grausame Tierhaltung und die Tierexperimente zu medizinischen Zwecken, die Luft- und Meeresverschmutzung, die Nahrungsmittelverschlechterung durch Überdüngung, die ungebremste Vermehrung der Funkwellen in der Luft und am Ohr, die Börsenspekulation mit Billionen, die Unterstützung von Diktatoren, die ihre Leute verarmen lassen, die fehlende Besteuerung von Flugbenzin, und vieles mehr der Immunität günstig?

Hätten da die "grauen Milliardäre" nicht ihre Liebe für die Menschheit zeigen und gegensteuern können? Sicher, auch die Bevölkerungen selbst haben zu diesen Missständen beigetragen. Doch die "grauen Milliardäre" hätten ganz andere Mittel gehabt, diesen weltweiten Vorgängen zu steuern, ohne allzu große Eingriffe in die Freiheit der Menschen vorzunehmen. Warum zum Beispiel ist es zu keiner Transaktionssteuer bei Spekulationsgeschäften gekommen? Haben sie absichtlich das Chaos abgewartet, um ihre Interessen besser fördern zu können? Warum sind öffentliche Einrichtungen wie das Gesundheitswesen in vielen Staaten privatisiert und dadurch abgebaut worden? Doch gewiss nicht zum Nachteil der "grauen Milliardäre". Aber zum Nachteil der Patienten und des Pflegepersonals in den Kliniken, das jetzt, nachdem es zur Krise gekommen ist, großartigen Einsatz zeigt.

Statt die Eigenimmunität der Menschen zu fördern, fördern als neues Mittel die "grauen Milliardäre" das Impfen mit ungenügend erprobten Impfstoffen, die sie auch selbst herstellen und verkaufen, sie, die sich jetzt als Retter der Menschheit gerieren. Und die meisten Menschen vertrauen ihnen noch oder resignieren vor der Gewalt! Aber Einsicht aller Betroffenen in diese Zusammenhänge würde den "grauen Milliardären" viel von der den Menschen gestohlenen Lebenskraft und Lebensfreude wieder nehmen und ihre Macht und Milliarden reduzieren.

Viele höhere und mittlere Regierungsbeamte, die sich für den Kampf gegen das Virus verantwortlich fühlen und das Spiel der "grauen Milliardäre" nicht durchschauen, könnten in Verzweiflung geraten, falls sich das Virus als unbesiegbar erweist. Sie müssen befürchten, dass man ihnen die Niederlage zuschreiben würde. Deshalb drehen sie die Schraube immer fester. So erstickt der Kampf gegen das Virus, der Leben retten soll, das Leben selbst.


Immunitätsförderung

Doch warum sollte man den Kampf gegen das Virus nicht durch eine andere Methode ersetzen? Warum sollte man nicht akzeptieren, dass das Virus, wie jedes Virus, niemals aus der Welt zu schaffen ist, auch nicht durch noch so harte Restriktionen?

Sollte man nicht dem Leben selbst zuschauen, wie es mit dem Virus umgeht? Das Virus ist aus dem Leben entstanden. Aber das Leben pflegt auch stets für Gleichgewicht zu sorgen. Vielleicht "schüttelt" sich derzeit die Erde, weil man sie lange so rücksichtslos behandelt hat, und bringt diese Pandemie hervor, um wieder Gleichgewicht herzustellen. Wie jedes Jahr an Influenza sterben deshalb auch jetzt einige Menschen am Corona-Virus. In Deutschland sterben pro Jahr 950.000 Menschen an den verschiedensten Krankheiten. Warum sollte man nicht hinnehmen, dass vielleicht 40.000 Deutsche in diesem Jahr am Corona-Virus sterben?
Man sollte das Schlimmste zu verhüten suchen, aber zugleich auch der Selbsthilfe des Lebens eine Chance geben. Zum Beispiel könnte man Massenveranstaltungen vorläufig verbieten, aber den Einzelnen und kleinen Betrieben eigene Vorsorge ermöglichen.
Jeder könnte selbst entscheiden, ob er eine Maske trägt. Wer eine trägt, ist einigermaßen geschützt, wer keine trägt, vertraut auf die eigene Immunität. Warum also nicht lernen, die Angst vor dem eigenen Tod auszuhalten, statt dass man in immer noch größere Angst versetzt wird? Warum sich nicht bewusst und direkt mit dem Virus auseinandersetzen? Ist nicht, sich impfen zu lassen, auch nur eine unsichere Form der Auseinandersetzung mit dem Virus?
Nur durch eigene Auseinandersetzung des Körpers mit dem Virus wird im Lauf der Zeit Immunität entstehen, während auf andere Weise nicht auszuschließen ist, dass wir ständig, jahrelang, Maskenzwang haben. Was wäre das für ein Leben? Wollen wir das? Wir, freie Menschen! Wollen wir den "grauen Milliardären" diesen Sieg über die Freiheit gönnen?


Momos Weisheit

Im Buch "Momo" heißt es über die "grauen Herren", identisch mit den heutigen "grauen Milliardären": "Sie entstehen, weil die Menschen ihnen die Möglichkeit geben zu entstehen. Die Menschen geben ihnen auch die Möglichkeit, sie (die Menschen) zu beherrschen." "Wenn das nicht so wäre, müssten sie ins Nichts zurück. Sie sind keine Menschen." (S.147)
Das lässt sich nur verstehen, wenn, wie oben gesagt, das Wesen der "grauen Milliardäre" als Abspaltung des Machttriebs von der Gesamtpersönlichkeit des Menschen und als die darauf folgende Verselbstständigung dieses Machttriebs erkannt wird. Wenn dieser Machttrieb in die Gesamtpersönlichkeit integriert wäre, würde er Eigenständigkeit und Selbstständigkeit im Dienst der Gesamtpersönlichkeit hervorbringen. Und diese Gesamtpersönlichkeit hat zur Grundlage Lebenskraft und Lebensfreude, tief im Herzen verankert, wodurch auch Angst und Schmerz verarbeitet werden können.
Wenn sich dagegen der Machttrieb verselbstständigt und das Innerste der Seele unterdrückt oder ganz vergisst, dann entstehen Scheinmenschen. Von ihnen lässt sich sagen, dass es "keine (wirklichen) Menschen sind". Wenn es so weit mit ihnen gekommen ist, dann denken sie so menschenverachtend wie die heutigen "Transhumanisten" und sagen: "Menschen (der üblichen Art) sind längst überflüssig. Sie haben die Welt so weit gebracht, dass für ihresgleichen kein Platz mehr ist. Wir werden die Welt beherrschen." (S.217)

Momo überlegt, wie "die grauen Milliardäre" besiegt werden könnten. "Sie werden dadurch entmachtet, dass man sie (als Scheinwesen) durchschaut." Und: "Wenn die Menschen keine Angst vor dem Tod mehr hätten, könnte niemand ihnen mehr die Lebenszeit stehlen."(S.154) Und plötzlich heißt es über Momo: "Und es überkam sie etwas, das größer war als Angst". Und sie erkannte: "In deinem eigenen Herzen liegt die Kraft", die Angst zu überwinden. Dieser Kraftmittelpunkt wird in dem Buch "Meister Hora" genannt, auf den sich Momo stützen kann. Es ist das Prinzip des Lebens und der eigenen Verantwortung statt des Gehorsams gegenüber den Mächtigen.
Meister Hora hatte "darauf gewartet, dass die Menschen selbst etwas tun".(S.232) Aber diese Erwartung erfüllte sich nicht. Wie Meister Hora dennoch die "Vergiftung" der Menschheit durch die "grauen Milliardäre" und die "tödliche Langeweile" als Folge der Vergiftung meistert, das kann jeder selbst in dem Roman nachlesen. Eine wichtige Rolle dabei spielt wieder Momo selbst, der Mensch, der tief im Innern aufs Leben vertraut, auch wenn es Schmerzen und Tod mit sich bringt. Denn nur dieses Vertrauen macht das Leben lebenswert und sinnvoll auch über den Tod hinaus, auch über den künstlichen transhumanistischen Menschen hinaus.

"Momo hatte nur an ihre eigene Verlassenheit gedacht und war verzagt. Als sie das merkte, wurde sie zuversichtlich." (S.212) "Und es überkam sie etwas, das größer war als Angst."(S.158)

(Konrad Dietzfelbinger)


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